Die Ski stehen seit April im Keller, der Belag ist grau und matt, die Kanten haben vom letzten Frühling noch ein paar Dellen. Genau jetzt, ein paar Wochen vor dem ersten Schnee, ist der beste Moment für einen Service: In der Werkstatt ist Platz, du bekommst dein Material schnell zurück und stehst nicht im Dezember zwischen all denen, die am Freitagabend noch schnell etwas brauchen.
Warum das überhaupt nötig ist, merkst du auf der Piste. Kunstschnee, Eis und Steine arbeiten bei jeder Abfahrt am Material. Der Belag wird rau und pelzig, er verdrängt das Wasser nicht mehr richtig und saugt sich fest, statt zu gleiten. Die Kanten werden rund und greifen auf harter Unterlage nicht mehr. Du spürst das zuerst als Kraftverlust, später als Unsicherheit in der Kurve, und damit steigt auch die Sturzgefahr.
Woran du merkst, dass ein Service fällig ist
- √ Auf eisiger Piste rutscht der Ski weg, statt den Schwung zu halten
- √ In flachen Passagen fehlt Speed, der Ski klebt förmlich am Schnee
- √ Der Belag sieht grauweiss und trocken aus, vor allem entlang der Kanten
- √ Du fühlst mit dem Fingernagel Grate, Dellen oder Rost an der Kante
- √ Der Ski flattert bei Tempo, statt ruhig zu laufen
Was beim Skiservice in der Werkstatt passiert
Ein Skiservice ist kein einzelner Handgriff, sondern eine Reihenfolge, die aufeinander aufbaut. Wird ein Schritt ausgelassen, bringt der nächste wenig. Deshalb lohnt es sich zu wissen, was du eigentlich bezahlst.
Belag planschleifen und neu strukturieren
Zuerst wird der Belag plan geschliffen, also wieder in eine ebene Fläche gebracht. Tiefe Kratzer und ausgerissene Stellen werden vorher mit Belagsmaterial aufgefüllt. Danach kommt die Struktur: feine Rillen, die den Wasserfilm zwischen Belag und Schnee brechen. Ohne sie hängt der Ski am Wasser fest wie zwei nasse Glasscheiben aneinander. Diesen Schritt macht bei uns eine Wintersteiger Mercury, eine Steinschleifmaschine, die täglich läuft und auch die eigenen Ramser-Ski durch die Werkstatt schickt.
Welche Struktur passt, hängt vom Schnee ab. Bei nassem, warmem Schnee ist eine gröbere, tiefere Struktur im Vorteil, weil mehr Wasser weg muss. Bei kaltem, trockenem Schnee gleitet eine feinere, flachere Struktur besser. Die Struktur ist nichts Festes: Sie wird bei jedem Schliff neu erzeugt und lässt sich auf deinen Einsatz abstimmen.
Kanten schleifen: Seitenkante und Unterkante
Die Kante hat zwei Winkel. Der Seitenkantenwinkel bestimmt, wie aggressiv der Ski greift, der Unterkantenwinkel, wie leicht er sich aus dem Schwung lösen lässt. Im Standardservice schleifen wir die Seitenkante auf 2 Grad und die Unterkante auf 1,0 Grad, das passt für die allermeisten Pistenfahrer. Im Rennservice geht die Seitenkante auf 2 bis 3 Grad und die Unterkante auf 0,5 bis 1,0 Grad, der Ski greift dann früher und verzeiht weniger. Zum Schluss werden Schaufel und Ende entschärft, damit der Ski nicht verhakt.
Infrarot wachsen statt bügeln
Nach dem Schliff ist der Belag offen und trocken, er braucht Wachs. Dafür steht bei uns eine Infrarot-Wachsmaschine, und damit sind wir in der Region die Einzigen. Der Unterschied zum Bügeleisen: Die Wärme kommt kontaktlos und gleichmässig auf den ganzen Belag, nichts wird lokal überhitzt. Das Wachs dringt tiefer ein und hält deutlich länger. Danach wird abgezogen und auspoliert.
Jeder Ski mit Rennservice wird bei uns infrarot gewachst, das ist dort im Preis drin. Zum normalen Service kannst du es als Zusatz dazunehmen, wenn du möchtest, dass das Wachs länger durchhält als die ersten paar Skitage.
Bindung testen lassen gehört dazu
Einmal im Jahr gehört die Bindung auf den Prüfstand. Federn ermüden, Schuhsohlen nutzen sich ab, und ein Z-Wert, der auf dem Papier stimmt, muss in der Praxis nicht mehr stimmen. Schätz das nicht selber ab und dreh nicht auf Verdacht an den Schrauben: Wir prüfen die Auslösewerte auf einem geeichten Gerät und stellen deine Skibindung nach BFU-Norm ein. Das ist auch der Nachweis, den du im Schadenfall gegenüber der Versicherung brauchst.
Was du zwischen zwei Services selber machen kannst
Vieles, und es lohnt sich. Belag und Kanten nach jedem Skitag abtrocknen, sonst setzt sich Rost an. Grate und leichten Flugrost holst du mit einer Diamantfeile aus der Kantenbearbeitung weg, ohne gleich Material abzutragen. Und wachsen: Ein Wachsbügeleisen, ein Block Heisswachs aus dem Skiwachs-Sortiment, eine Abziehklinge und eine Bürste reichen völlig. Wenn du bei null anfängst, nimm ein fertiges Wachsset, da ist alles Nötige aufeinander abgestimmt.
Was nicht in die Garage gehört: der Steinschliff, das Füllen tiefer Belagsschäden und alles an der Bindung. Dafür braucht es Maschinen und einen Prüfstand, und bei der Bindung geht es um deine Knie.
Wie oft braucht dein Ski einen Service?
Als Faustregel: wachsen alle drei bis fünf Pistentage, ein kompletter Schliff ein- bis zweimal pro Saison. Dazu zwei feste Termine im Jahr. Einmal vor der ersten Abfahrt, damit du nicht die halbe Saison auf stumpfen Kanten fährst. Und einmal am Saisonende mit einer dicken Schicht Lagerwachs, damit die Kanten über den Sommer nicht rosten und der Belag nicht austrocknet. Wer viel auf Kunstschnee oder im Frühling auf Firn fährt, darf eher öfter als seltener hin.
Häufige Fragen zum Skiservice
Was kostet ein Skiservice?
Bei uns kostet der Standardservice mit Struktur, Kantenschliff und Heisswachs aktuell 49 Franken, Kinderski bis 140 cm 35 Franken, der Rennservice mit Wellenstruktur und Belagsreparatur 80 Franken. Snowboards liegen bei 65 Franken. Die vollständige Liste mit allen Zusatzarbeiten steht auf der Skiservice-Seite.
Wie lange dauert ein Skiservice?
Das hängt davon ab, wie voll die Werkstatt gerade ist. Im Herbst vor dem Saisonstart geht es meist schnell, über die Festtage und in den Sportferien solltest du mehr Zeit einrechnen. Ruf kurz an oder frag im Laden, dann weisst du es genau.
Was bringt Infrarot-Wachsen gegenüber normalem Heisswachs?
Mehr Tiefe und mehr Haltbarkeit. Beim Bügeln liegt die Hitze punktuell auf dem Belag, bei Infrarot wird er auf ganzer Länge gleichmässig erwärmt und nimmt das Wachs besser auf. Im Rennservice ist es Standard, beim Standardservice buchst du es als Zusatz dazu.
Lohnt sich ein Service bei alten Ski noch?
Meistens ja. Solange genug Belag und Kante da ist, läuft ein gut präparierter alter Ski besser als ein neuer, vernachlässigter. Bring ihn vorbei, wir schauen ihn an und sagen dir ehrlich, ob sich der Aufwand lohnt oder ob das Geld besser in ein neues Paar fliesst.
Mein Skischuh drückt, hilft da ein Service?
Das ist eine andere Baustelle. Druckstellen, kalte Füsse oder ein Hallux lösen wir beim Bootfitting mit Ausweiten, Fräsen und angepassten Sohlen. Kleinere Anpassungen am Schuh machen wir auf Wunsch gleich zusammen mit dem Skiservice.