Im September liegt in den meisten Regionen noch kein Schnee. Trotzdem ist jetzt der beste Zeitpunkt, um deine Ausrüstung für den Winter durchzugehen. Wer erst im Dezember merkt, dass der Kleber am Fell nicht mehr hält oder die Harscheisen zur neuen Bindung nicht passen, verliert die ersten guten Touren. Und die Auswahl ist im Herbst noch komplett, während im Januar genau deine Länge oder Breite fehlt.
Eine Skitour ist kein Pistentag mit anderen Skiern. Du bist abseits der gesicherten Piste unterwegs, und niemand kontrolliert dort etwas für dich. Deshalb geht es beim Zusammenstellen nicht nur um Gewicht und Preis, sondern zuerst um Sicherheit.
Skitourenausrüstung: das gehört in dein Setup
Grob teilt sich die Ausrüstung in drei Bereiche: das Aufstiegsmaterial, die Sicherheitsausrüstung und alles, was du am Körper trägst. Am Aufstiegsmaterial lässt sich Gewicht sparen, an der Sicherheitsausrüstung nicht.
- √ Tourenski mit Tourenbindung
- √ Passende Felle, dazu Fellpflege und ein Fellnetz
- √ Harscheisen in der richtigen Breite
- √ Verstellbare Tourenstöcke mit grossen Tellern
- √ Tourenschuhe mit Gehmodus
- √ LVS-Gerät, Schaufel und Sonde
- √ Rucksack mit Skibefestigung, Helm, Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set
Tourenski und Tourenbindung
Ein Tourenski ist deutlich leichter als ein Pistenski, weil du ihn den ganzen Aufstieg mit hochhebst. Für Touren mit viel Pistenanteil und harten Verhältnissen sind 80 bis 90 Millimeter Mittelbreite ein guter Kompromiss, im Powder darf es breiter sein. Je leichter der Ski, desto nervöser wird er in der Abfahrt bei hartem Schnee - das ist der Preis, den du für jedes gesparte Gramm zahlst.
Bei den Tourenbindungen hast du im Wesentlichen zwei Bauarten. Pin-Bindungen (auch Tech-Bindungen genannt) greifen mit Stiften in die Inserts am Schuh, wiegen wenig und sind der Standard für lange Aufstiege. Voraussetzung: dein Schuh braucht diese Inserts, ein normaler Alpinschuh passt nicht. Hybrid- und Rahmenbindungen sind schwerer, fahren sich in der Abfahrt aber näher an einer Alpinbindung und nehmen teilweise auch Alpinsohlen auf. Entscheide zuerst, wie viel du aufsteigst - danach richtet sich alles andere.
Skifelle richtig wählen und pflegen
Das Fell entscheidet, ob der Aufstieg Freude macht. Mohair gleitet am besten und ist leicht, nutzt sich aber schneller ab. Nylon hält am steilen Stück besser und ist robuster, dafür bremst es spürbar. Mischfelle sind der Kompromiss, mit dem die meisten am längsten glücklich sind. Wichtig ist, dass die Breite zum Ski passt und die Länge sauber zugeschnitten ist.
Genauso wichtig ist die Pflege. Ein Fell, das nass in den Rucksack gestopft und dort vergessen wird, verliert Kleber und nimmt Wasser auf. Trockne es bei Zimmertemperatur, nie auf der Heizung, und lagere es mit Netz. Passende Felle, Zuschneidesets und Ersatzhaken findest du zusammen mit der ganzen Fellpflege - Imprägniersprays gegen Stollen und Kleber zum Auffrischen gehören in jede Tourenausrüstung.
Harscheisen und Tourenstöcke
Harscheisen sind das Teil, das am häufigsten fehlt und am dringendsten gebraucht wird, sobald der Frühling kommt oder eine Querung morgens hart gefroren ist. Sie müssen zu deiner Bindung passen und mindestens so breit sein wie der Ski an der Bindung, besser leicht breiter. Miss lieber nach, bevor du bestellst.
Bei den Tourenstöcken lohnt sich die verstellbare Variante: im Aufstieg länger, in der Abfahrt kurz. Grosse Teller sind Pflicht, sonst versinkst du im Weichschnee. Als Faustregel für die Länge im Flachen gilt Körpergrösse mal 0,68, also rund 115 Zentimeter bei 170 Zentimetern Körpergrösse.
Lawinenausrüstung: LVS, Schaufel und Sonde
Diese drei Teile sind eine Einheit. Ein LVS-Gerät ohne Schaufel und Sonde nützt niemandem etwas, weil du eine verschüttete Person zwar findest, aber nicht ausgraben kannst. Nimm ein digitales Drei-Antennen-Gerät, eine Sonde ab 240 Zentimetern und eine Schaufel mit Aluminiumblatt - Kunststoffblätter versagen an hartem Lawinenschnee. Die komplette Lawinenausrüstung gehört ins Sicherheitsfach deines Tourenrucksacks, damit du im Ernstfall nicht erst den ganzen Rucksack ausleerst.
Ehrlich gesagt ist das Material dabei der einfachere Teil. Entscheidend ist, dass du damit umgehen kannst. Ein LVS-Kurs beim SAC oder bei einer Bergführerin kostet ein Wochenende und ist die beste Investition deiner ganzen Ausrüstung. Kontrolliere vor jeder Tour den Batteriestand, übe die Suche einmal pro Saison und lies das Lawinenbulletin des SLF, bevor du losfährst - nicht erst am Einstieg.
Was du besser in der Werkstatt machen lässt
Beim Fell zuschneiden und beim Wachsen kannst du dich selbst austoben. Bei der Bindung hört der Spass auf: Montage, Sohlenlängenanpassung und der Z-Wert gehören auf den Prüfstand, weil sich die Auslösewerte sonst nicht kontrollieren lassen. Das gilt für Tourenbindungen besonders, weil viele Modelle andere Toleranzen haben als eine Alpinbindung. Bring deine Ski im Herbst in die Werkstatt, dann ist die Bindung geprüft und der Belag bereit, bevor der erste Schnee liegt.
Häufige Fragen zur Skitourenausrüstung
Was kostet eine komplette Skitourenausrüstung?
Für ein solides Einsteiger-Setup aus Ski, Bindung, Fell, Schuhen, Stöcken und der Sicherheitsausrüstung solltest du mit rund 2000 bis 3000 Franken rechnen. Sets aus Ski, Bindung und Fell sind meist günstiger als die Einzelteile. Wer erst schauen will, ob Skitouren überhaupt passen, mietet die erste Ausrüstung und kauft danach gezielt.
Kann ich meine Alpinskischuhe für Skitouren nutzen?
Nur mit einer Rahmen- oder Hybridbindung, die Alpinsohlen aufnimmt. Für Pin-Bindungen brauchst du Schuhe mit Tech-Inserts. Dazu kommt: Alpinschuhe haben keinen Gehmodus, der Schaft bleibt starr, und der Aufstieg wird zur Qual. Für gelegentliche kurze Touren geht es, für alles darüber lohnt sich ein richtiger Tourenschuh.
Wie lange halten Skifelle?
Bei normalem Gebrauch und guter Pflege halten Felle mehrere Saisons. Was zuerst nachlässt, ist meistens nicht der Plüsch, sondern der Kleber. Den kannst du erneuern lassen oder mit Kleber und Hotmelt selbst auffrischen, bevor du ein komplett neues Fell kaufst.
Brauche ich für die erste Skitour einen Lawinenairbag?
Ein Airbag ersetzt weder Ausbildung noch LVS, Schaufel und Sonde. Er kann die Chance verbessern, an der Oberfläche zu bleiben, hilft aber nichts gegen Verletzungen oder Verschüttung in einer Geländefalle. Sinnvoll ist er als Ergänzung, wenn die Basis steht - nicht als erstes Sicherheitsteil.
Wann kaufe ich Tourenausrüstung am besten?
Im Herbst. Dann sind Grössen, Längen und Breiten vollständig verfügbar, und du hast Zeit, Schuhe in Ruhe anzupassen und die Bindung montieren zu lassen. Ab Januar wird die Auswahl bei den gefragten Modellen dünn.